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Tibetische Räucherstäbchen und guter Schlaf – was ich nach elf Jahren in der Schweiz gelernt habe

Ein Gastbeitrag von Kunsang Choedon Stauffer, Himalaya Vibes Bern

Mein Name ist Kunsang. Ich bin eine Tibeterin und kam vor elf Jahren in die Schweiz. Neues Land, neue Sprache, neue Kultur – alles war fremd. Und mit dieser Fremdheit kamen auch die langen Nächte. Viele davon, in denen ich nicht wusste, was die Zukunft bringen würde, in denen die Gedanken einfach nicht aufgehört haben.

Heute betreibe ich mit meinem Mann Karma unser Geschäft Himalaya Vibes an der Kramgasse 63 in Bern. Und fast täglich kommen Menschen zu uns, die ich sofort erkenne – weil ich weiss, wie sie sich fühlen.


Kunsang - Himalaya Vibes - TIbetische Räucherstäbchen
Kunsang - Himalaya Vibes - TIbetische Räucherstäbchen

„Ein glücklicher Geist ist ein guter Schlaf"

Das sage ich immer. Wenn der Geist keine grosse* Last trägt, kommt der Schlaf von selbst. Klingt einfach – aber ich habe Jahre gebraucht, um das wirklich zu verstehen.

Ich bin jetzt in meinen 40ern. Wenn ich mir vorstelle, dass ich vielleicht noch 40 Jahre vor mir habe – dann frage ich mich wirklich: Wofür benutze ich diese Zeit? Für Stress? Für Ängste, auf die ich im Moment keinen Einfluss habe? Viele der Dinge, die uns nachts wachhalten, sind in Wahrheit gar nicht so gross, wie sie in der Dunkelheit erscheinen. Das Tibetische und das Buddhistische haben mir das gezeigt: Wenn man die Last wirklich erkennt, findet man auch einen Weg damit umzugehen – und dann kommt der Schlaf.

Was ich beobachte, wenn Menschen in unseren Laden kommen

Es gibt einen Moment, den ich immer wieder erlebe. Jemand betritt den Laden – vielleicht angespannt, vielleicht müde. Und dann riecht diese Person den Duft. Von den Räucherstäbchen, von den Aromaölen. Und ich sehe es direkt: Die Schultern sinken. Der Atem wird tiefer.

Das ist für mich jedes Mal ein kleines Wunder – und gleichzeitig eine Bestätigung von etwas, das in Tibet schon immer selbstverständlich war.

Räucherwerk ist bei uns nicht etwas für Klöster oder Mönche. Meine Eltern haben zuhause immer Räucherwerk entzündet – jeden Morgen, jeden Abend. Es gehörte einfach dazu. Es geht darum, Glück und Klarheit in den Alltag zu bringen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen – und vor allem: zur Ruhe zu kommen.

Viele von uns sind wach, aber nicht wirklich angekommen

Das fällt mir immer wieder auf. Wir stehen auf, wir gehen durch den Tag – aber wir sind nicht wirklich da. Der Kopf ist noch beim Gespräch von gestern, bei der E-Mail die noch aussteht, bei den Nachrichten, die wir morgens gelesen haben.

Räucherwerk hilft mir persönlich, diesen Übergang zu machen. Von aussen nach innen. Von beschäftigt zu ruhig.

Ich selbst brauche das auch. Ich bin auch ein Mensch – ich habe Probleme mit Lieferanten, ich übertrage Geld und die Ware kommt nicht so an wie versprochen, ich muss mit vielen verschiedenen Menschen umgehen. Aber ich merke immer wieder: Wenn ich einen dieser Düfte wahrnehme – manchmal habe ich ein Aroma auf dem Handgelenk und rieche es plötzlich mitten in der Arbeit – dann setzt sich etwas in mir. Sofort. Genau dort, wo der Stress sass.

Mein Silver Moon Aroma zum Beispiel sprühe ich abends manchmal ein bisschen ins Schlafzimmer. Das hilft mir, wirklich anzukommen.

Was das mit Schlaf zu tun hat

Wir können abends nicht abschalten, weil wir tagsüber Dinge mit uns tragen, die wir nicht losgelassen haben. Stress, kleine Traumata, Sorgen – die kommen wieder, wenn es ruhig wird.

Räucherwerk gibt dem Geist ein Signal: Jetzt darf ich loslassen. Es ist kein Schalter, kein Wundermittel. Aber es ist eine Einladung. Und wenn man diese Einladung regelmässig annimmt, lernt der Körper irgendwann: Wenn dieser Duft aufsteigt, ist Ruhe erlaubt.

Das muss auch gar nichts mit Buddhismus oder Tibet zu tun haben. Es geht einfach darum, sich einen Moment zu gönnen. Innezuhalten. Anzukommen.

Mein Wunsch für euch

Wir haben – wenn wir Glück haben – bis zu 100 Jahre auf dieser Erde. Diese Zeit ist kostbar. Wir können sie mit Stress füllen, mit Nachrichten, mit Dingen die ausserhalb unserer Kontrolle liegen. Oder wir schaffen uns kleine Momente, in denen wir wirklich da sind.


Für mich ist ein Räucherstäbchen am Abend so ein Moment. Vielleicht kann er das für dich auch sein.


Herzlich, 

Kunsang Choedon Stauffer 



*Hinweis: In der Schweiz existiert, dass "ß" nicht. Wörter mit "ß" werden dort mit "ss" geschrieben. Meine Gastautorin kommt aus der Schweiz. Ich habe den Artikel in der ursprünglichen Version gelassen.


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