top of page

Interview mit Matze: Metal im Herzen, Hautkrebs & Postcovid im Leben – zwischen Krankheit, Musik und Hoffnung

Dieser Beitrag ersetzt keinen Arzt- bzw. Spezialistenbesuch!


Nach langer Zeit gibt es endlich mal wieder ein Interview auf meiner Seite. Doch diesmal wird es besonders persönlich: Es geht um Hautkrebs und Post-COVID, um die Herausforderungen, die zwei so unterschiedliche Erkrankungen mit sich bringen können – aber auch um Musik, der Bedeutung von Familie & Freundschaft, neue Prioritäten und die Frage, was einem in schwierigen Zeiten Kraft gibt.


Matze und ich haben uns während der Reha im Februar kennengelernt. Und schon damals habe ich sein Durchhaltevermögen und seinen Weg wieder ins "Jetzt" zu kommen bewundert. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass er nun diese Erfahrungen und diesen Weg mit uns teilt!


Matze ist ein großer Metal-Fan, und auch die Musik spielt in unserem Gespräch eine besondere Rolle. Er erzählt offen von seiner Erkrankung, seinem Weg durch die Behandlung, den Auswirkungen von Post-COVID und davon, was ihm heute Halt gibt und ihn weitermachen lässt. Ich freue mich sehr, dieses persönliche Gespräch mit euch zu teilen und danke Matze für seine Offenheit.

Interview mit Matze: Metal im Herzen, Hautkrebs & Postcovid im Leben. Matze möchte sein Gesicht zeigen, somit ist dieses coole Foto entstanden, was ja auch ein Teil seines Lebens wiederspiegelt.
Interview mit Matze: Metal im Herzen, Hautkrebs & Postcovid im Leben. Matze möchte sein Gesicht zeigen, somit ist dieses coole Foto entstanden, was ja auch ein Teil seines Lebens wiederspiegelt.

Mein heutiger Überblick:

  1. Hautkrebs und Post-COVID – zwei Erkrankungen, die das Leben verändern können

Jährlich erkranken rund 355.000 Menschen neu an Hautkrebs – kaum zu glauben, aber ja dadurch gehört Hautkrebs zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Dabei unterscheidet man zwischen zwei Hautkrebsarten:  weißem und schwarzem (maligner Melanom) Hautkrebs. Der wuieße  Hautkrebs macht den größten Teil der Erkrankungen aus und verläuft häufig weniger schwer, während das deutlich seltenere maligne Melanom gefährlicher sein kann. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 21.000 bis 23.000 Menschen neu daran. Insgesamt sterben jedes Jahr rund 4.600 Menschen an den Folgen von Hautkrebs. Etwa 120.000 Betroffene müssen zudem jährlich aufgrund ihrer Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden.

Auch die Folgen einer Corona-Infektion können Menschen noch lange begleiten. Schätzungen zufolge sind etwa 5 bis 10 Prozent der Menschen nach einer Corona-Infektion von länger anhaltenden Beschwerden betroffen. Zu den möglichen Post-COVID-Symptomen gehören unter anderem starke Erschöpfung und Fatigue, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Schlafstörungen, Atembeschwerden oder eine eingeschränkte körperliche Belastbarkeit. Bei einem Teil der Betroffenen entwickelt sich ME/CFS, eine schwere chronische Erkrankung, die unter anderem durch eine ausgeprägte Belastungsintoleranz und Erschöpfung gekennzeichnet ist. Schätzungen gehen von rund 650.000 Betroffenen in Deutschland aus.

Hinter diesen ganzen Zahlen stehen doch am Ende Menschen, die mit diesen Diagnosen leben müssen und ganz unterschiedliche Krankheitsverläufe aufweisen. Einer davon ist Matze. In unserem Gespräch erzählt er offen davon, wie sich sein Leben durch die Diagnosen verändert hat, welche Herausforderungen die Erkrankung und die anschließende Behandlung mit sich brachten und wie ihn zusätzlich die Post-COVID-Folgen mit starker Erschöpfung belasten. Vor allem aber erzählt er davon, was ihm heute dabei hilft, nach vorne zu schauen. Und da hilft ihn ganz besonders die Musik – Metal!

  1. Das Interview mit Matze


Ich: Hallo Matze, schön dass du dir die Zeit nimmst mit mir ein Interview zu führen und meinen Lesern einen Einblick gibst über deine Krankheit. Bevor wir aber thematisch dahingehend einsteigen, bitte ich dich, dich doch etwas näher vorzustellen, damit meine Leser einen Einblick erhalten von dir (z.B. Hobbys, Beruf, Lebensmotto, Vorlieben).


Matze: Ich bin der Matze. Vor meiner Krankheit war ich ein lebensfroher Mensch mit viel Energie und viel Unternehmungsdrang. Und dann kommt das Leben und spielt ein anderes Spiel mit mir als gedacht. Jetzt muss ich mich irgendwie neu mit dem Leben arrangieren und einen neuen Weg finden, um wieder so ins Leben zurückzukommen, dass es wieder lebenswert und energiereicher wird.

Ich: Erinnerst du dich noch an den Moment der Diagnose? Wie hast du diese erste Zeit erlebt?

Matze: Das war unreal. Das war schon ein kraftvoller Akt und zugleich unreal, weil ich es einfach nicht glauben konnte. In dem Augenblick, als diese Diagnose kam, hatte ich einfach nichts gespürt.

Zu Beginn war es nur eine Annahme, dass es Hautkrebs sein könnte. Aber dass sich diese Annahme bestätigt, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Hautkrebs ist meist eine optische Veränderung, aber du verspürst keinen Schmerz oder andere Symptome. Deshalb kam es mir auch nicht wie eine Erkrankung vor.

Man schenkt so etwas auch weniger Beachtung, wenn man damit noch nicht konfrontiert war. Ja, es gab halt immer jemanden oder immer Leute, die einen darauf aufmerksam gemacht haben: „Das sollte doch mal untersucht werden.“ Aber ich habe dem eigentlich keine Ernsthaftigkeit gegeben.

Damit mich keiner mehr darauf anspricht und ich meine Ruhe hatte, habe ich dann doch die Untersuchungen gemacht. Und als ich sie hinter mir hatte, dachte ich: Jetzt ist schon alles in Ordnung. Aber es kam halt dann komplett anders als angenommen.

Das war für mich Horror!

Ich: Was hat dir damals am meisten Halt gegeben?


Matze: Meine Tochter! Sie hatte ja schon in kürzester Zeit im Prinzip ihre zwei Opas verloren und ihre Oma sowie ihre Uromas. Und dann kam jetzt auch noch ihr Vater und auch ihre Mutter, die Krebs bekommen haben, eigentlich ziemlich zeitgleich.

Als ich ihr von der Diagnose erzählt habe, war das ein brutaler Schock für sie. Sie hat es jetzt nicht so gesagt und nach außen nicht gezeigt, aber mir wurde das schon bewusst, da sie im Prinzip eigentlich auch sensibel ist.

Und da wusste ich: Ich muss mich da schon zusammenreißen und darf nicht den Kopf in den Sand stecken.

Ich: Wie hat dein Umfeld reagiert? Gab es Reaktionen aus dem Umfeld, die dich verletzt oder überrascht haben?


Matze: Mein Umfeld war mir eigentlich, bis auf meine Tochter, ziemlich egal. Mein Bruder hatte immer Bedenken, weil meine Mutter auch Krebs gehabt hat. Und ich war immer jemand, der bis jetzt alles mit sich allein ausgemacht und geschafft hatte.

Ich sollte auch an andere denken und auch wegen meiner Tochter kämpfen, wobei ich das sowieso von mir aus gemacht hätte.

Und ansonsten habe ich aufgrund der Krankheit eigentlich niemanden weiter an mich herangelassen. Weil jedes Mal, schon wenn ich das irgendwie allein bei den Ärzten erzählen musste und alles immer wiedergeben musste, war es wieder für mich Horror!

Für mich war das alles, wie schon bei der ersten Frage, unreal. Und dann musste ich mich auch noch ausdrücken und alles erzählen. Deswegen versuche ich, soweit es geht, überhaupt keinen daran teilnehmen zu lassen, weil es für mich immer wieder die Hölle ist.

Ich will das ausblenden und habe es auch, soweit es ging, ausgeblendet.

Ich: Wie hat sich dein Alltag durch die Erkrankung verändert?


Matze: Also, nachdem die erste Diagnose herausgekommen ist, habe ich mich nur in Arbeit gestürzt. Bis dann die große Operation stattfand. Anschließend konnte ich auf einmal nicht mehr arbeiten und bin eigentlich seitdem krankgeschrieben.

Und seitdem ist immer mehr dazugekommen. Ich hatte fünf OPs innerhalb eines halben Jahres und es macht eigentlich das Immunsystem nicht mehr so mit, wie ich es gerne hätte. Du bist auf einmal total anfällig für alles.

Des Weiteren bin ich niedergeschlagen und ständig müde. Wenn ich an mein altes Leben denke, war ich voll aktiv und konnte alles schaffen und tun. Nun machen mich die kleinsten Dinge schon schlapp – auch die Dinge, die einem Freude gemacht haben.

Das möchte ich natürlich gerne wieder schaffen und die Erinnerung zurückholen, aber davon bin ich derzeit Lichtjahre entfernt.

Ich muss aber dazu sagen, dass es nicht allein mit dem Krebs zu tun hat, sondern dass ich zusätzlich auch Post-COVID bekommen habe. Die Kombination ist halt – ja, wie soll ich sagen – das ist, glaube ich, eines der mächtigsten Dinge.

Bei dieser Konstellation kann eigentlich nur eine starke Erschöpfung herauskommen. Und wahrscheinlich ist der Krebs dadurch so richtig intensiv ausgebrochen.

Mit dem Post-COVID bin ich ja viele Jahre eigentlich gar nicht behandelt worden. Die Behandlung wegen Post-COVID wurde erst nach der Krebsoperation aufgenommen. Aber vorher hatte ich auch keine Chance, da jeder Arzt noch kaum etwas damit behandelt hat oder sich damit auseinandergesetzt hat.

Und es gibt nicht viele Kliniken, die das feststellen konnten. Bis ich mal einen Termin bekommen habe, waren wieder eineinhalb Jahre vergangen.

Obwohl ich die ganze Zeit vorher schon gesagt habe: Mit mir stimmt irgendwas nicht, weil ich immer so stark schwitze und diese Erschöpfung hatte.

Ich: Wie hast du die medizinische Betreuung erlebt?


Matze: Also, schlecht, muss ich ehrlich sagen. Wenn ich so darüber nachdenke, ging das schon damit los, dass ich überhaupt einen Termin für die Untersuchung der betroffenen Hautpartie bekommen habe, an der letztendlich der Krebs festgestellt wurde.

Ich habe mir einen Wolf telefoniert, bis ich überhaupt einen Hautarzt gefunden habe, bei dem ich einen Termin bekommen konnte, damit er das untersuchen konnte. Und als ich endlich jemanden gefunden hatte, musste ich noch einmal ungefähr ein Dreivierteljahr auf diesen Termin warten.

Das Ganze hat also schon so angefangen. Das ist sehr traurig, wenn du denkst, es muss untersucht werden, und du bekommst einfach keinen Facharzt. Die Ausreden, die ich bekommen habe, waren zum Beispiel: „Sind Sie bei uns bei schon Patient? - Nein, ich hatte bisher noch nie was mit der Haut gehabt.  Dann können wir Sie nicht drannehmen.“ Oder: „Wir können Sie nicht aufnehmen, Sie sind Neupatient.“ Und wenn du dann endlich jemanden findest, der neue Patienten aufnimmt, werden deine Personalien durchgegangen und plötzlich heißt es: „Sie wohnen ja gar nicht in der Stadt. Wir nehmen nur Leute aus dieser Stadt.“

Es waren lauter solche Sachen, bei denen du dir denkst: Wenn du hier aufgewachsen bist, dein ganzes Leben lang gearbeitet und in die Krankenkasse eingezahlt hast und dann solche Antworten bekommst, bekommst du nicht einmal eine Grundversorgung mit einer Untersuchung. Das war wirklich nervenaufreibend.

Ich habe damals natürlich nicht gedacht, dass am Ende Krebs herauskommt. Sonst hätte ich wahrscheinlich noch einmal ganz anderen Druck ausgeübt. Aber das ist echt Wahnsinn.

Selbst bei der Krankenkasse habe ich versucht, über so eine Videosprechstunde einen Termin zu bekommen, von der uns der Werksarzt erzählt hatte. Die Krankenkasse hat aber gesagt: „Nein, das zahlen wir nicht. Das machen wir nicht. Sie müssen zu einem ordentlichen Hautarzt gehen.“ Also habe ich mich darauf eingelassen.

Dann ging es mit den Operationen weiter. Bei der größeren Operation war es so, dass ich donnerstags vorbereitet wurde und wieder nach Hause gehen musste, weil kein Platz im Krankenhaus war. Am nächsten Tag musste ich wieder früh rein und wurde dann operiert. Vorher wurde ich einfach krankgeschrieben und musste warten, keine Ahnung wie viele Stunden, bis ich dran war.

Danach bin ich für zwei Tage in ein Zimmer gekommen. Gleichzeitig bekam ich starke Rückenschmerzen, bei denen ich eigentlich schon geahnt hatte, dass ich wieder Nierensteine bekomme, weil das bei mir regelmäßig vorkommt. Das wurde aber gar nicht beachtet. Ich war nur wegen der Operation dort. Sie haben deswegen auch nichts gemacht und mich einfach nach zwei Tagen entlassen. Ich sollte mich darum beim Hausarzt kümmern.

Kurz vor Weihnachten ist dann noch einiges passiert. Meine Adern sind angeschwollen, das war an Heiligabend. Dann hat sich die Ärztin beziehungsweise die Sozialberaterin darum gekümmert und sich mit mir ausgetauscht, welche Klinik für mich geeignet wäre, um endlich eine Reha in Angriff zu nehmen. Sie hatte eigentlich schon Ende Oktober alles für mich ausgesucht. Als ich dann operiert worden war, war für mich eigentlich alles in Ordnung, und es hieß, dass man sich mit der Klinik in Verbindung setzen würde. Ich hatte aber noch andere Probleme, unter anderem meine Knieprobleme und die Nierensteine. Deshalb wollte ich, dass das in der Reha vielleicht ebenfalls berücksichtigt und mitbehandelt wird.

Die Klinik sagte: „Ja, das können wir machen.“ Das Problem war dann aber, dass ich immer wieder dort angerufen habe und mir gesagt wurde, sie könnten mich erst endgültig aufnehmen und mir die Zusage geben, wenn sie die Einladung von der Rentenversicherung bekommen hätten, dass diese die Reha genehmigt.

Ich habe einfach nicht verstanden, warum es dafür noch eine zusätzliche Zusage geben musste.

Also habe ich wieder in der Klinik angerufen, ungefähr eine Woche bevor ich zur Reha hätte fahren müssen. Die zuständige Mitarbeiterin war allerdings nicht da, weil sie im Urlaub war. Die Kollegin, die ich dann erreicht habe, wusste von meinem Fall nichts. Sie hat in den Akten nachgeschaut und gesagt: „Es tut mir leid, Ihr Kollege hat mir nichts gesagt.“ Sie hatte anscheinend vergessen, meinen Fall an die Rentenversicherung zu schicken. Die wussten dort noch gar nichts.

Ich musste darauf reagieren. Ich konnte ja gar nicht anders. Ich lebe allein und konnte mir da auch niemand helfen.

Die Mitarbeiterin hat gesagt, sie kümmert sich darum, könne aber wegen der Feiertage nicht versprechen, ob bei der Rentenversicherung überhaupt jemand arbeitet. Und genauso war es dann: Ich bekam keine Antwort.

Dann kam die Woche, in der ich eigentlich wegfahren musste. Am Mittwoch hätte ich zur Reha fahren sollen. Am Montagmorgen rief mich dann tatsächlich die Rentenversicherung an und sagte: „Ich habe eine schlechte Nachricht für Sie.“

Ich sagte: „Für mich gibt es keine schlechten Nachrichten. Ich kann mir nicht vorstellen, was jetzt noch kommen soll.“

Dann sagte sie: „Wir zahlen Ihre Reha nicht, weil wir keinen Kooperationsvertrag mit der Klinik haben.“

Die Sozialberaterin hatte diese Klinik doch eigentlich für mich ausgesucht. Und dann denkst du dir: Sorry, Leute, ich stelle euch vor: Ich bin krank und muss weiter behandelt werden, und jetzt sagt ihr mir, ich kann dort nicht hin. Gleichzeitig sagt ihr mir, ich soll mir selbst eine Klinik aussuchen. Aber ich brauche jetzt eine Behandlung.

Die Mitarbeiterin von der Rentenversicherung hat dann zum Glück wirklich ihr Bestes versucht und mich ungefähr eine halbe Stunde später noch einmal angerufen. Sie hatte Vorschläge für andere Kliniken. Die erste war eigentlich gar nicht so verkehrt, aber dort hätte ich erst einen Monat später einen Platz bekommen.

Da habe ich gesagt: „Gute Frau, ich kann nicht mehr. Ich weiß auch nicht, wie ich das machen soll. Ich kann nicht jeden Tag irgendwohin ins Krankenhaus fahren und mich behandeln lassen. Ich brauche jetzt sofort eine Behandlung.“

Daraufhin hat sie noch einmal eine andere Klinik angerufen, die diese Art von Krebs ebenfalls behandelt. Dort werden ungefähr 50 Prozent der Fälle behandelt. Und dann bin ich dort hingekommen.

Ende vom Lied: Ich war dort, und sie haben natürlich das Beste gemacht, was sie konnten. Aber es war nicht die optimale Behandlung für mich, wie sie eigentlich vorgesehen gewesen wäre.

Als ich aus der Klinik entlassen wurde, wurde ich weiterbehandelt. In der nächsten Klinik haben sie mich dann gefragt, wer bei mir die Ergotherapie macht. Da habe ich gesagt: „Ergotherapie? Die mache ich überhaupt nicht.“ Ich hatte nur Lymphdrainage. Die war notwendig, weil Lymphknoten entfernt werden mussten und sich der Krebs ausbreiten konnte.

Dann hatte ich Glück im Unglück, dass sie in der Klinik überhaupt danach gefragt haben. Ich musste mich anschließend selbst auf den Weg machen und in unserer Gegend jemanden finden, der Ergotherapie anbietet.

Ich habe dann eine Praxis gefunden, die gerade neu aufgemacht hatte. Dort konnte ich schließlich mit der Behandlung anfangen. Die erste Behandlung habe ich allerdings dreieinhalb Monate später bekommen, als es eigentlich notwendig gewesen wäre.

Dadurch hatten sie natürlich unheimlich viel Arbeit, weil sich in dieser Zeit einiges entwickelt hatte.

Ich habe zum Beispiel im linken Arm nur noch ungefähr 50 Prozent der Kraft. Durch die Operation musste so tief hineingegangen werden, dass dabei auch Nerven betroffen waren. Dadurch habe ich Schwierigkeiten mit der Motorik.

Auf der linken Seite ist es außerdem so, dass dort Lymphknoten entfernt wurden. Dadurch fühlt es sich teilweise so an, als wäre man verbrüht worden, wenn jemand ganz heißes Wasser über einen schüttet. Und auch das ist zunächst nicht behandelt worden.

Im Krankenhaus haben sie zu mir gesagt: „Das dauert mindestens ein Jahr, bis es wieder besser wird. Es kann fünf Jahre dauern, es kann aber auch gar nicht mehr weggehen.“ Das war eigentlich das Einzige, was sie mir mit auf den Weg gegeben haben.

Jetzt habe ich wenigstens die Ergotherapie bekommen, nachdem das durch die andere Klinik angestoßen wurde. Ich kann sagen, dass ich dadurch zumindest die Schmerzen an den Narben nicht mehr habe. Die verbessern sich. Aber natürlich kann man die anderen Probleme, die entstanden sind, nicht einfach nachholen, weil die Behandlung dreieinhalb Monate zu spät begonnen hat.

Vielleicht wird alles noch besser und vielleicht geht irgendwann auch das Ganze wieder weg. Aber dadurch, dass die notwendige Behandlung dreieinhalb Monate nicht gemacht wurde, ist die Wahrscheinlichkeit eben geringer, dass es noch innerhalb eines Jahres oder von fünf Jahren vollständig besser wird. Es kann durchaus sein, dass manches dauerhaft bleibt.

Deswegen bin ich mit der medizinischen Versorgung überhaupt nicht zufrieden.

Wenn ich mich nicht selbst darum gekümmert hätte oder nicht zufällig an Menschen geraten wäre, die auch von anderen Behandlungsmöglichkeiten Ahnung hatten, hätte ich manche Dinge wahrscheinlich gar nicht bekommen. Die Fragen, die mir gestellt wurden, waren teilweise gar nicht darauf ausgerichtet herauszufinden, welche Behandlungen mir noch fehlen.

So habe ich irgendwann selbst Druck gemacht, damit auch die Post-Covid-Untersuchung schneller gemacht wird und man überhaupt einmal vorankommt.

Als dann alles ins Rollen kam, wurden die Ärzte wirklich schnell und haben gemerkt, dass es mir eigentlich richtig schlecht geht. Vorher hatte ich das Gefühl, dass es nicht wirklich ernst genommen wurde.

Sie haben ihr Alltagsgeschäft gemacht, aber nicht wirklich detailliert und vor allem sorgfältig auf alles geschaut. Es wurde eher eine Checkliste abgearbeitet: Habe ich das gemacht? Ist das gemacht? Wurde das besprochen? Was muss der Patient als Nächstes machen? Wo muss er als Nächstes hin? - Das alles hat gefehlt.

Wenn man sich nicht selbst irgendwie zusammenreißt und darum kümmert, hat man meiner Meinung nach keine Chance.

Ich weiß nicht, wo ich heute stehen würde, wenn ich das nicht selbst in die Hand genommen hätte und dann an die richtigen Leute gekommen wäre. Ich bin mit dem Zustand, in dem ich jetzt bin, eigentlich schon in einem schlechten Zustand – aber es hätte noch viel, viel schlechter sein können.

Ich: Du bist ein großer Metalfan und lebst das auch aus. Welche Bedeutung hatte die Musik für Dich in dieser schweren Zeit - War die Musik für dich eher Trost, Ventil oder Energiequelle?


Matze: Also, ich würde eigentlich fast alles sagen. Wobei das Letztere, die Energiequelle, auch keine Energiequelle in dem Sinne ist, dass ich dann auf einmal wieder auskomme und voller Energie beziehungsweise Lebensenergie bin.

Es geht eher darum, dass man die Freude am Leben durch die Musik nicht ganz verliert und dass du trotzdem genießen kannst und dir das auf jeden Fall erhältst. Die Musik gibt mir schon Halt.

Interview mit Matze: Metal im Herzen, Hautkrebs & Postcovid im Leben. Matze möchte sein Gesicht zeigen, somit ist dieses coole Foto entstanden, was ja auch ein Teil seines Lebens wiederspiegelt.
Interview mit Matze: Metal im Herzen, Hautkrebs & Postcovid im Leben. Matze möchte sein Gesicht zeigen, somit ist dieses coole Foto entstanden, was ja auch ein Teil seines Lebens wiederspiegelt.

Ich: Gibt es ein Lied, das du mit dieser Zeit verbindest? Und Dir geholfen hat oder dir Mut gab nicht aufzugeben?


„Auf gute Freunde“. Das ist zwar nicht das perfekte Metal-Lied, aber das ist von den Böhsen Onkelz und es spricht so viel über das Leben an.

Und es ist gut, gute Freunde zu haben, weil du dann weißt, wer gute Freunde sind und was Freundschaft eigentlich auch bedeutet.

 

 

Ich: Haben sich deine Prioritäten verändert? Gibt es Dinge, die du heute bewusster genießt?


Matze: Ja, das Leben. Also absolut hat sich das bei mir geändert. Ich habe vorher eigentlich – das habe ich ja schon erwähnt – viel gearbeitet, viel geschaffen und wollte auch viel schaffen. Ich hatte mir vorgestellt, dass ich vielleicht früher in Rente gehen kann und dann schon etwas auf der Seite habe und nicht wie viele andere im Rentenalter vielleicht noch arbeiten muss.

Und dann kommt halt so etwas, was überhaupt nicht ins Leben passt. Deswegen sehe ich das jetzt schon ein bisschen anders. Das Erste, was bei mir auf einmal wirklich im Vordergrund steht, ist das Leben. Dass du das Leben genießt, jeden Tag genießt, wo du kannst, und einigermaßen gesund bist. Das schätzt man mehr, wenn man die Krankheit am eigenen Körper spürt.

Bei mir war es so, dass in der Familie schon einige krank waren und ich auch sehr nah dran war. Da habe ich schon gespürt, was das bedeutet. Aber wenn es einen selbst betrifft, ist es noch einmal eine ganz andere Hausnummer.

Du hast immer eigentlich anderen geholfen und Dinge für andere gemacht, aber auf deine eigene Gesundheit nicht so unbedingt geachtet. Und erst als dich die Krankheit richtig mitnimmt, denkst du eigentlich: Was hast du dein ganzes Leben gemacht? Du hast viel falsch gemacht und auf die eigene Gesundheit nicht wirklich geachtet.

Und das ist so schwer, weil es Dinge sind, die du nicht einfach wie eine Grippe aushalten kannst und dann ist wieder alles gut. Das kannst du nicht mehr zurückdrehen.

Deswegen kann ich nur jedem empfehlen: Hör auf deinen Körper. Die Gesundheit, der Körper, der meldet sich. Und wenn man das nicht wahrnehmen will, dann wird er sich immer mehr holen. Von alleine werden immer mehr Krankheiten dazukommen und irgendwann kannst du das eigentlich nicht mehr kompensieren.

Und dann bist du – ich würde mich jetzt leicht als Wrack bezeichnen, wenn ich schon ein halbes Jahr krank bin und es nicht richtig besser wird.

Ich: Was hilft dir dabei, körperlich und mental wieder Kraft zu sammeln und was motiviert weiterzumachen und sich nicht hängen zu lassen?


Matze: Also, mich motiviert, dass ich an Sachen zurückdenke, die ich vielleicht in meiner Kindheit oder Jugend gemacht habe und für die ich eigentlich nie mehr Zeit gehabt habe. Und jetzt finde ich diese Sachen wieder.

Und auch die Sachen, die ich mir geschaffen habe, jetzt zu nutzen. Ich habe viele Sachen gekauft, viele Sachen erbaut, mir viele Sachen angeeignet und immer wieder weitergemacht. Aber ich habe dieses Potenzial eigentlich nie wirklich genutzt oder verwendet, sondern immer nur weitergemacht.

Jetzt kann ich einfach etwas Neues machen, sondern versuche, aus dem, was ich eigentlich habe und körperlich noch kann, etwas umzusetzen. Die Krankheit hat im Prinzip dazu geführt, dass ich das jetzt eigentlich nutze, was überhaupt noch geht. Vorher habe ich immer nur gemacht und geschaffen, aber eigentlich nicht genutzt, was ich geschaffen habe.

Das motiviert mich, dass ich mich nicht hängen lasse.

Am Anfang ist das natürlich sehr, sehr schwierig gewesen, als ich gemerkt habe, dass es eher schlechter als besser wird. Aber es bringt ja nichts. Es hat auch nichts gebracht, wenn ich da resigniert habe.

Also habe ich ganz einfach die schönen Dinge aus den wenigen Möglichkeiten, die mir geblieben sind, herausgezogen. Hauptsache, ich kann das machen und kann es genießen – das, was ich vorher gar nicht genießen konnte, weil ich gar nicht genug Zeit dafür gehabt habe.

Und das, was ich gemacht habe, um irgendwie etwas genießen zu können, war eigentlich immer nur: Ich wollte einfach bloß schaffen.

Mal hat jemand zu mir gesagt, ich bin ein „Workaholic“. Und im Nachhinein muss man echt sagen: Das ist total treffend. Ich habe immer nur gearbeitet und geschaffen.

Jetzt ist es einfach so, dass ich die kleinen Dinge wertschätze, das annehme und froh bin, dass ich das kann. Und ich akzeptiere auch die kleinen Schritte und dass ich nur langsam vorankomme.

Das ist, glaube ich, das Wichtigste an der ganzen Geschichte. Sonst wird man extrem verzweifeln.

Ich habe immer noch eine leichte Hoffnung, dass es irgendwann besser wird, weil ich gesehen habe, was aus Menschen werden kann, wenn man das nicht macht. Und das ist meine Motivation, weil ich da nicht hin möchte. Denn das ist dann kein Leben mehr.

Ich: Gibt es Dinge, die du durch diese Erfahrung/Erkrankung über dich selbst gelernt hast?

 

Matze: Ja. Ich habe gelernt, dass auch ich Grenzen habe. Dass nicht alles, was kommt, von alleine auch wieder weggeht. Ich spreche jetzt von den Krankheiten. Das habe ich definitiv gelernt: dass man nicht unbesiegbar ist.

Ich: Was würdest du anderen Betroffenen und deren Angehörigen nach einer Diagnose mitgeben?

Matze: Unbedingt lernen, Geduld zu haben. Und vor allem, dass man versucht, so wenig wie möglich in Stresssituationen zu kommen. Denn die kleinsten Dinge stressen einen dann schon.

Und der Körper reagiert darauf. Bei mir ist es so, dass der Körper dann immer stärker reagiert hat. Stress bedeutet dann schon, wenn irgendein bescheuerter Brief kommt – ob das jetzt von einer Krankenkasse oder von der Rentenversicherung ist, die eine Reha nicht richtig beantragen will oder wie auch immer.

Solche Sachen stauen sich dann in einem auf, weil du eigentlich gar nicht die Energie und Kraft dazu hast, denen begreiflich zu machen, was du eigentlich hast, obwohl sie es eigentlich wissen müssten.

Ich habe am Anfang sogar die Ärzte gefragt, ob sie überhaupt wissen, ob ich wieder gesund werde, weil ich den Eindruck eigentlich nicht hatte. Aber ich habe darauf keine einzige Antwort bekommen.

Wie gesagt: Jeder muss selbst aufpassen. Wer betroffen ist, sollte sich am besten von den engsten und vertrauten Angehörigen helfen lassen. Auch wenn man meint, man will stark sein – so war es bei mir auch. Das verursacht unnötigen Stress bei Sachen, die man gar nicht selbst abbauen kann, weil man einfach die Energie nicht hat. Also wirklich Hilfe dort holen, wo es möglich ist. Und auch verschiedene Organisationen nutzen, wie zum Beispiel die Krebshilfe. Das hat mir auch unheimlich geholfen. Auch Sozialberater oder andere Stellen, die einem dabei helfen, solche Dinge zu organisieren, sollte man unbedingt annehmen. Denn zum einen haben die ganz andere Dinge im Blickfeld, an die du gar nicht denkst, die du vielleicht brauchst oder bei denen du vielleicht noch gar nicht weißt, was auf dich zukommen könnte. Und zum anderen entlastet einen das Ganze.

Und die Hoffnung nie aufgeben.

Einfach immer versuchen, sich mit anderen Patienten auszutauschen, die die gleiche Krankheit haben. Es gibt ja Treffpunkte, die irgendwo über Sozialstationen oder andere Einrichtungen angeboten werden. Einfach sehen, was bei den anderen geholfen hat.

Und so blöd, wie es auch klingt: Wenn man mit jemandem redet, der die gleiche Krankheit hat, oder mit mehreren darüber spricht, fällt einem das erst einmal viel, viel leichter, als wenn man einem anderen, der nicht krank ist, das Ganze erzählt.

Zum einen ist das Verständnis ganz anders. Und zum anderen entstehen dann wirklich Synergien. Dinge, die dem einen geholfen haben, können vielleicht dem anderen weiterhelfen. Und das kann den Blick wieder nach vorne richten.

Wenn einer, der selbst betroffen ist, Erfolge hat und du das von ihm hörst, ist das eine ganz andere Geschichte. Wenn dir immer ein Arzt sagt: „Sie müssen dies, Sie müssen das machen“, oder irgendein Freund sagt: „Gib nicht auf“, dann kann man das irgendwann nicht mehr hören. Das ist eine ganz andere Qualität, wenn es wirklich ein Betroffener erzählt, der das selbst mitmacht oder mitgemacht hat.

 

Ich: Vielen Dank, dass Du so ehrlich und offen über deine Erkrankung und Deinen Weg gesprochen hast.


*Dies ist ein persönlicher Einblick eines Betroffenen. Jeder Betroffene geht mit Postcovid & Krebs anders um sowie hat seibnen ganz eigenen Leidensweg. Wir sind keine Ärzte oder Therapeuten und möchten mit dem Beitrag nur aufmerksam auf die Erkrankungen und den Weg zur Diagnose und weiter machen. Wenn Du das Gefühl hast an Postcovid oder Hautkrebs zu leiden oder jemanden in Deinen Umfeld kennst mit dieser Symptomatik, dann suche bitte einen Arzt oder Spezialisten auf. Der Beitrag dient zur Aufklärung und reinen Information. Er ersetzt keine Diagnostik!

3.Metal-Playlist

 Meine Quellen:

LISTEN:


READ:


Dir gefällt dieser Beitrag und Du würdest gerne mich und meine Arbeit unterstützen? - Dann freue ich mich auf eine kleine Spende von Dir und Deine Unterstützung!


Du möchtest mehr von mir lesen, dann abonniere mich. Scrolle dafür nach unten.


Kommentare


Newsletter abonnieren & nichts mehr verpassen

Vielen Dank für das Abonnement!

        Edelineshealthythings | www.edelineshealthythings.de | info@edelineshealthythings.de

 

Die Inhalte auf „Edelineshealthythings“ sollen informieren, inspirieren und zum Austausch anregen. Beiträge aus den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Schlaf und Wohlbefinden beruhen auf persönlichen Erfahrungen sowie sorgfältiger Recherche und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung.

Bei gesundheitlichen Problemen oder individuellen Fragen solltest du/Sollten sie immer ärztlichen oder therapeutischen Rat einholen. Für Entscheidungen, die auf Grundlage der hier bereitgestellten Informationen getroffen werden, kann keine Haftung übernommen werden.

Entdecke:                                               Rechtliches:                                                                            Kontakt:                                          Mitglied von: 
Über mich                                              Impressum                                                             📧 info@edelineshealthythings.de                         trustedblog

Media & Kooperationen                           Datenschutzerklärung                                               Media Kit auf Anfrage erhältlich                          Uberblogr
Mein Blog

Podcast

​​

© 2026 EdelinesHealthythings

photography by Thomas Bock
 

 

-

  • Linkedin
  • Spotify
  • X
  • Pinterest
  • Facebook
  • LinkedIn
  • Instagram
bottom of page